Vom tiny house bis hin zu ökologischen Wolkenkratzern

Landschaften der Zukunft – Bauen & Wohnen

unsere Eindrücke vom NaturVision FilmFestival in Ludwigsburg

Programmheft: NaturVision Filmfestival 2019Direkt neben dem Popcorn Stand hatten wir im Juli auf dem Open Air des NaturVisionFimfestivals in Ludwigsburg mit unseren Bilderbüchern einen tollen Standplatz. Hin und wieder konnten wir neben dem Verkauf auch einen Blick auf die nur wenige Meter entfernte Filmleinwand werfen. Besonders spannend fanden wir die verschiedenen Beiträge zum diesjährigen Schwerpunktthema Landschaften der Zukunft – Bauen & Wohnen.

In mehreren Filmen wurden die unterschiedlichsten Wohnformen vorgestellt, von denen wir euch erzählen wollen, weil uns diese Projekte teilweise sehr beeindruckt haben.

 

Wie sieht “artgerechtes” Wohnen aus?

Die Wohnungsnot steht der Zerstörung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren gegenüber. Viele Menschen können sich die hohen Mietpreise in den Städten kaum leisten, aber das Pendeln belastet ebenfalls den Geldbeutel und die Umwelt natürlich auch. Viele Städter fliehen am Wochenende aufs Land. In allen Filmen wurde deutlich, dass ein großer Bedarf an artgerechterem Wohnraum besteht und so die Architektur der Zukunft aussehen muss. Wir Menschen brauchen eine gute Infrastruktur für unseren Alltag und dazu die Natur für die Seele. Architekten und Stadtplaner haben erkannt, dass mehr Grün in den Städten nicht nur für ein besseres Mikroklima, die Vermeidung von Hitzeinseln und mehr Artenvielfalt sorgt, sondern auch für eine höhere Lebensqualität.

 

Tinyhouse

Tinyhouse auf dem NaturVision Filmfestival 2019

©UlrichPasch

Der Minimalismus-Gedanke ist bereits in vielen Köpfen angekommen und macht auch diese junge Wohnform den meisten Menschen sympathisch.

In Form von Interviews und einem Videotagebuch gab der Kurzfilm “Und wo ist die Badewanne? Über die Zukunft des Wohnens” die Eindrücke und Gedanken von zwölf Menschen wieder, die für kurze Zeit ein 7,3 Quadratmeter kleines Haus in Ludwigsburg bewohnten. Interessant waren auch die Berichte von zwei Paaren, die im Anschluss an die Filmvorführung auf der Bühne von diesem Projekt berichteten. Das Fazit der Tinyhouse-Bewohner: Es sei befreiend gewesen zu erfahren, wie wenig man eigentlich nur zum leben brauche. Aber auf Dauer sollte der Wohnraum doch ein paar Quadratmeter größer sein, denn zu zweit oder gar mit Besuch wird es natürlich eng auf so kleinem Wohnraum. Das eine Paar hatte Glück mit dem Wetter und konnte auf den kleinen Garten vor dem Tinyhouse ausweichen, bei Regen wird das aber eher ungemütlich.

 

Der Garten als neuer Wohnraum

Auch andere Filme wie “Häuser für Menschen” beschäftigten sich mit nachhaltigen Bauprojekten, in denen sich die Menschen wohlfühlen. In ökologischen Siedlungen und Gartenstädten mit ummauerten Wohnhöfen können die Bewohner in einer Gemeinschaft leben und sich gleichzeitig zurückziehen, wenn ihnen danach ist. Große Fenster mit Blick in den Garten oder eine überdachte Terrasse erweitern den Wohnraum der kleinen Flachdachhäuser. Die Kinder erleben gemeinsam mit den benachbarten Kindern die für ihre Entwicklung so wichtige Natur direkt vor der Haustüre. Eltern, die dort selbst aufgewachsen sind, berichten im Film, dass sie mit ihren eigenen Kindern zurück gekommen sind und nun schon in zweiter Generation in diesen “Siedlungen für Menschen” leben.

 

Privatsphäre und trotzdem Gemeinschaft

In einem weiteren Film wurde der Wohnpark Alt Erlaa und das Konzept dahinter vorgestellt. Eine Stadt in der Stadt Wien, in der die Menschen in begrünten Terrassenhäusern zentral leben, mit Freizeitangeboten beinahe wie in einer Ferienanlage. Für den Alltag wird somit kein Auto benötigt, alles ist zu Fuß erreichbar. Ein Schwimmbad auf dem Dach und verschiedene Vereine stärken die Gemeinschaft unter den Bewohnern, in der sich Gleichgesinnte treffen und austauschen können. Eine berufstätige Mutter berichtet im Film zum Beispiel, dass sie in der Zeit, in der die Kinder ganz eigenständig ihren Hobbys nachgehen, im Supermarkt des Wohnparks einkauft. Durch die kurzen Wege bleibt den Menschen dort mehr Zeit für das, was ihnen wichtig ist. In den Wohnparks leben zudem Menschen mit den verschiedensten kulturellen Hintergründen und aus nahezu allen Gesellschaftsschichten zusammen. Ein wirklich interessantes Konzept für eine menschengerechte, umweltfreundliche und gleichzeitig sehr wirtschaftliche Wohnform, wenn man an den begrenzten Wohnraum in der Stadt denkt.

 

Ein vertikaler Wald mitten in der Großstadt

Auch das Projekt “Bosco Verticale” in Mailand faszinierte uns sehr. Die beiden Doppeltürme des Wolkenkratzers sind mit Büschen und Bäumen bepflanzt und bilden so einen vertikalen Wald mit einer Fläche von 20.000 Quadratmetern. Im Film wurde diese Architektur als zukunftsweisend für Großstädte mit dichter Besiedliung und hoher Luftverschmutzung bezeichnet. In Mailand scheint es momentan aber eher noch ein Prestigeobjekt für Mailands Oberschicht zu sein. Viele Investoren haben sich darin eine Wohnung zur Kapitalanlage gekauft und es kann sich lange nicht jeder leisten, darin zu wohnen.

 

Wie wollen wir wohnen?

Auf dem Filmfestival sind Charlotte und ich (Sarah) darüber ins Gespräch gekommen, welche Wohnformen wir uns für die Zukunft wünschen.

Beide fühlen wir uns zur Natur hingezogen und könnten nicht auf unsere Gärten verzichten. Charlotte wohnt mit ihrer Familie sehr zentral in Lahr, mit einem angrenzenden Selbstversorgergarten:

“Wir kommen überall gut mit dem Fahrrad (inkl. Kinderanhänger) oder öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Ein Auto besitzen wir nicht und für den Notfall gibt es auch hier Carsharing.
Wir wohnen mit meinen Schwiegereltern in einem Haus mit großem Hof. Das ist im Sommer großartig und für die Kids einfach perfekt. Unsere Wohnung ist allerdings sehr klein und im Winter eher ungemütlich und kalt.

Ich träume oft von einem Wohnprojekt, bei dem viele Räume einfach nicht nötig sind, weil sie der Gemeinschaft gehören. Und bei dem Kinderbetreuung von allen Bewohner automatisch gegeben ist. Erste Erfahrungen durfte ich damit vor einigen Jahren in der Gemeinschaft “Schloss Tempelhof” machen.”

Charlotte kann also ihren Alltag mit den Kindern gut mit ihrem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen, was bei mir undenkbar ist:

Ich lebe mit meiner Familie in einem Waldhufendorf im Schwarzwald, das bedeutet, wir wohnen sehr idyllisch auf einem Berg, umgeben von Wald. Das ist wunderschön, aber die Strecken, die wir im Alltag zurücklegen müssen sind auch weit. Der einzige Weg, den wir mit dem Fahrrad bestreiten können ist der zum 2 km entfernte Kindergarten. Und bis auf den Winter oder bei furchtbar schlechtem Wetter tun wir das auch. Aber Supermarkt, Ärzte, Musikschule und Schwimmbad sind mindestens 10 km entfernt im Tal oder 20 km entfernt, erst bergab und dann weiter bergauf. Ich möchte das Landleben nicht gegen ein Leben in der Stadt eintauschen, auch wenn ich mir oft eine bessere Infrastruktur wünsche. So versuche ich Einkäufe, Termine und Freizeitaktivitäten miteinander zu verbinden, so dass ich nicht jeden Tag mit dem Auto unterwegs sein muss.

 

 

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